Bundesrepublik Deutschland · 1949 – 2026

Regierenmit Mehrheit

Zehn Kanzler, wechselnde Koalitionen, 77 Jahre: Diese Zeitleiste zeigt für jede Bundesregierung seit 1949 die Beschlüsse mit der größten Wirkung – und was von ihnen bis heute gilt.

1949 – 1963

Konrad Adenauer

CDU/CSUFDPDP zeitweise GB/BHE · 1957–1961 mit absoluter Mehrheit Stimmenanteile der Wahl 1949

Die erste Regierung baut den Staat und seine Wirtschaftsordnung von Grund auf – und bindet ihn fest an den Westen.

1952

Lastenausgleich

Wer Vermögen über den Krieg gerettet hatte, zahlte über Jahrzehnte eine Abgabe darauf. Das Geld ging an Vertriebene, Ausgebombte und Enteignete. Es war die größte Umverteilung der Nachkriegszeit. Ausgezahlt wurde meist erst Jahre später und nur ein Bruchteil des verlorenen Vermögens – als Beitrag zur Eingliederung von Millionen Vertriebenen gilt der Ausgleich dennoch als zentral.

ausgelaufen Lastenausgleichsgesetz 1952; Abgaben liefen bis 1979

1953

Londoner Schuldenabkommen

Die Gläubigerstaaten strichen rund die Hälfte der deutschen Vor- und Nachkriegsschulden und streckten den Rest über Jahrzehnte; gezahlt werden musste nur aus Handelsüberschüssen. Der Schuldendienst blieb dadurch tragbar, während andere Länder ihre Kriegsschulden voll bedienten.

Reparationsforderungen wurden auf einen künftigen Friedensvertrag verschoben. Ein solcher Vertrag wurde nie geschlossen – Griechenland und Polen berufen sich bis heute darauf.

vollzogen Abkommen über deutsche Auslandsschulden, London 1953

1955

Souveränität, NATO-Beitritt, Bundeswehr

Mit den Pariser Verträgen endete das Besatzungsstatut weitgehend, die Bundesrepublik trat der NATO bei und stellte eigene Streitkräfte auf. Damit war die außenpolitische Richtung für Jahrzehnte gesetzt: Sicherheit im Bündnis mit dem Westen, die deutsche Einheit vorerst zurückgestellt.

vollzogen Pariser Verträge 1954/55, Freiwilligengesetz 1955

Wehrdienst 1955 2011 2025

1955 · 1961

Anwerbeabkommen mit Italien und der Türkei

Um den Arbeitskräftemangel zu decken, warb die Bundesrepublik gezielt Beschäftigte im Ausland an. Gedacht war das als Aufenthalt auf Zeit. Tatsächlich wurde daraus dauerhafte Einwanderung – die Grundlage dafür, dass Deutschland heute ein Einwanderungsland ist.

ausgelaufen Anwerbeabkommen 1955–1968; Anwerbestopp 1973

1957

Dynamische Rente

Renten wurden an die Lohnentwicklung gekoppelt, statt als feste Summe zu verharren. Aus Fürsorge im Alter wurde ein Anspruch, der am allgemeinen Wohlstand teilnimmt. Das Prinzip trägt die gesetzliche Rente bis heute.

Finanziert wird sie im Umlageverfahren: Die Beiträge der Erwerbstätigen zahlen die laufenden Renten. 1957 kamen auf einen Rentner gut vier Beitragszahler, heute sind es weniger als zwei.

gilt Rentenreformgesetz 1957

Rente 1957 2007 2014 2026

1957

Bundesbankgesetz

Die Deutsche Bundesbank entstand und wurde ausdrücklich von Weisungen der Regierung freigestellt – die Erfahrung zweier Inflationen wirkte nach. Adenauer griff die Bank scharf an, als sie die Zinsen gegen seinen Willen erhöhte, konnte sie aber nicht überstimmen.

Dieses Modell einer unabhängigen Notenbank machte Deutschland später zur Bedingung für die gemeinsame europäische Währung.

geändert Gesetz über die Deutsche Bundesbank 1957; Geldpolitik seit 1999 bei der EZB

Geldwert 1957 1992 2010

1957

Römische Verträge

Gemeinsam mit fünf Nachbarstaaten gründete die Bundesrepublik die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft. Aus ihr ist die heutige EU geworden – und mit ihr der Binnenmarkt, von dem die deutsche Exportwirtschaft bis heute lebt.

geändert EWG-Vertrag 1957; fortgeschrieben bis zum Vertrag von Lissabon

Europa 1957 1992 2020

Wahl 1949 · Stimmenanteile

  • CDU/CSU31,0 %
  • FDP11,9 %
  • DP4,0 %

zusammen 46,9 %

September 1949 – Oktober 1963 · 14 Jahre

CDU/CSU bei den Wahlen danach

  • 195345,2 %
  • 195750,2 %
  • 196145,3 %

Rücktritt im Oktober 1963, nach Druck aus der eigenen Fraktion und von der FDP.

1963 – 1966

Ludwig Erhard

CDU/CSUFDP Zweitstimmen 1965

Eine kurze Kanzlerschaft, beendet vom ersten größeren Wirtschaftseinbruch der Bundesrepublik.

1965

Diplomatische Beziehungen zu Israel

Zwanzig Jahre nach Kriegsende nahmen beide Staaten offizielle Beziehungen auf. Zehn arabische Staaten brachen daraufhin ihre Beziehungen zu Bonn ab. Das Verhältnis zu Israel ist seither ein fester Bezugspunkt deutscher Außenpolitik.

vollzogen Notenwechsel vom 12. Mai 1965

1966

Bruch der Koalition

In der Rezession stritt die Koalition über Steuererhöhungen zum Ausgleich des Haushalts. Die FDP-Minister traten zurück, Erhard verlor die Mehrheit. Es folgte die erste Große Koalition.

vollzogen Rücktritt der FDP-Minister, Oktober 1966

Bundestagswahl 1965 · Zweitstimmen

  • CDU/CSU47,6 %
  • FDP9,5 %

zusammen 57,1 %

Oktober 1963 – Dezember 1966 · 3 Jahre

Rücktritt im November 1966: Rezession, Streit über Steuererhöhungen, Austritt der FDP-Minister.

1966 – 1969

Kurt Georg Kiesinger

CDU/CSUSPD erste Große Koalition Zweitstimmen 1965

Mit über 90 Prozent der Mandate hinter sich änderte diese Regierung das Grundgesetz – und stieß damit eine Protestbewegung an.

1967

Stabilitäts- und Wachstumsgesetz

Der Staat verpflichtete sich auf vier Ziele zugleich: stabile Preise, hohe Beschäftigung, außenwirtschaftliches Gleichgewicht und stetiges Wachstum – das „magische Viereck“. Dazu bekam er Instrumente, um in Krisen gegenzusteuern. Das Gesetz gilt bis heute.

gilt Stabilitäts- und Wachstumsgesetz 1967

1968

Notstandsgesetze

Das Grundgesetz wurde um Regeln für Katastrophen, Aufstände und den Verteidigungsfall ergänzt; im Gegenzug fielen die letzten Vorbehaltsrechte der Alliierten. Gegen die Änderung formierte sich die außerparlamentarische Opposition – der Auftakt der Proteste von 1968.

gilt 17. Gesetz zur Ergänzung des Grundgesetzes 1968, Art. 115a ff. GG

1969

Reform des Paragrafen 175

Sexuelle Handlungen zwischen erwachsenen Männern waren nicht mehr strafbar. Der Paragraf blieb in abgeschwächter Form bestehen und wurde erst 1994 vollständig gestrichen. Bis dahin waren nach 1945 rund 50.000 Männer verurteilt worden.

aufgehoben § 175 StGB in der Fassung von 1969; vollständig gestrichen 1994

Gleiche Rechte 1969 2001 2017

Bundestagswahl 1965 · Zweitstimmen

  • CDU/CSU47,6 %
  • SPD39,3 %

zusammen 86,9 %

Dezember 1966 – Oktober 1969 · 3 Jahre

CDU/CSU bei den Wahlen danach

  • 196946,1 %

Die Union blieb stärkste Kraft, verlor aber die Mehrheit – SPD und FDP koalierten.

1969 – 1974

Willy Brandt

SPDFDP sozialliberale Koalition Zweitstimmen 1969

Erstmals stellte die SPD den Kanzler. „Mehr Demokratie wagen“ war das Motto – nach außen wie nach innen.

1970 – 1973

Neue Ostpolitik

Verträge mit Moskau, Warschau und Prag, dazu der Grundlagenvertrag mit der DDR: Die Bundesrepublik erkannte die Nachkriegsgrenzen faktisch an und nahm Beziehungen zu den Nachbarn im Osten auf. Die Opposition scheiterte 1972 knapp mit einem Misstrauensvotum dagegen. 1973 traten beide deutsche Staaten den Vereinten Nationen bei.

Grundlage der späteren Entspannung in Europa

gilt Moskauer und Warschauer Vertrag 1970, Grundlagenvertrag 1972, Prager Vertrag 1973

1971

BAföG

Studierende und Schüler aus einkommensschwachen Familien bekamen erstmals einen Rechtsanspruch auf staatliche Förderung. Zusammen mit dem Ausbau der Hochschulen öffnete das die höhere Bildung für Gruppen, die sie zuvor kaum erreicht hatten.

gilt Bundesausbildungsförderungsgesetz 1971

1972

Rentenreform

Die flexible Altersgrenze erlaubte den Ruhestand ab 63 nach langer Versicherungszeit. Selbstständige und Hausfrauen konnten der Rentenversicherung beitreten, Kleinrenten wurden angehoben. Die Ausweitung war großzügig finanziert – und belastete das System, als kurz darauf die Wirtschaft einbrach.

geändert Rentenreformgesetz 1972; Altersgrenzen seit 2012 angehoben

1974

Fristenlösung beim Schwangerschaftsabbruch

Der Bundestag beschloss, dass ein Abbruch in den ersten zwölf Wochen nach Beratung straffrei bleibt. Die Union und mehrere unionsgeführte Länder riefen dagegen das Bundesverfassungsgericht an. In Kraft trat die Regelung nie.

aufgehoben 5. Strafrechtsreformgesetz 1974; nie in Kraft getreten

§ 218 1974 1975

Bundestagswahl 1969 · Zweitstimmen

  • SPD42,7 %
  • FDP5,8 %

zusammen 48,5 %

Oktober 1969 – Mai 1974 · 4 Jahre

SPD bei den Wahlen danach

  • 197245,8 %

Rücktritt im Mai 1974, nachdem ein DDR-Spion im Kanzleramt enttarnt worden war. 45,8 Prozent sind bis heute das beste SPD-Ergebnis.

1974 – 1982

Helmut Schmidt

SPDFDP Zweitstimmen 1976

Ölkrise, Terrorismus, Nachrüstung: eine Regierung im Krisenmodus, die nebenbei das Familienrecht modernisierte.

1975

Bundesverfassungsgericht

Fristenlösung gekippt

Das Gericht erklärte die Regelung für verfassungswidrig: Der Staat müsse ungeborenes Leben schützen, auch gegenüber der Schwangeren. 1976 beschloss der Bundestag stattdessen die Indikationenlösung – straffrei nur bei bestimmten Gründen. Diese Konstruktion, 1995 um die Beratungspflicht ergänzt, gilt bis heute.

gilt BVerfG, Urteil vom 25. Februar 1975 – 1 BvF 1/74

§ 218 1974 1975

1976

Neues Eherecht

Statt nach Schuld wurde nun nach Zerrüttung geschieden, dazu kam der Versorgungsausgleich für Rentenansprüche. Das gesetzliche Leitbild der „Hausfrauenehe“ fiel weg: Frauen brauchten für eine Erwerbstätigkeit keine Zustimmung des Ehemanns mehr. In Kraft seit 1977.

gilt 1. Eherechtsreformgesetz 1976, in Kraft 1977

1976

Mitbestimmungsgesetz

In großen Unternehmen wurden die Aufsichtsräte zur Hälfte mit Vertretern der Beschäftigten besetzt – bei Patt entscheidet die Anteilseignerseite. Deutschland bekam damit ein Modell der Unternehmensführung, das international bis heute die Ausnahme ist.

gilt Mitbestimmungsgesetz 1976

1977

Kontaktsperregesetz

Im „Deutschen Herbst“ nach der Entführung von Hanns Martin Schleyer beschloss der Bundestag binnen Tagen, Gefangenen den Kontakt zu Anwälten und Außenwelt abschneiden zu können. Der Staat setzte auf Härte gegen den Terrorismus – die Debatte über die Grenzen dieser Härte hält bis heute an.

gilt §§ 31 ff. EGGVG, 1977

1979

NATO-Doppelbeschluss

Der Westen bot Verhandlungen über Mittelstreckenraketen an und kündigte für den Fall des Scheiterns eigene Stationierungen an. Schmidt trieb den Beschluss maßgeblich voran – und spaltete damit seine eigene Partei. Die Friedensbewegung wurde zur Massenbewegung, die Koalition zerbrach 1982.

vollzogen NATO-Beschluss vom 12. Dezember 1979; INF-Vertrag 1987, 2019 beendet

Bundestagswahl 1976 · Zweitstimmen

  • SPD42,6 %
  • FDP7,9 %

zusammen 50,5 %

Mai 1974 – Oktober 1982 · 8 Jahre

SPD bei den Wahlen danach

  • 198042,9 %

Sturz durch ein konstruktives Misstrauensvotum im Oktober 1982 – bis heute das einzige erfolgreiche.

1982 – 1998

Helmut Kohl

CDU/CSUFDP 16 Jahre, vier Wahlperioden Zweitstimmen 1983

Die längste Kanzlerschaft der Bundesrepublik – und die einzige, in der sich das Staatsgebiet veränderte.

1983

Bundesverfassungsgericht

Volkszählungsurteil

Aus dem Protest gegen eine geplante Volkszählung wurde ein Grundrecht: Das Gericht leitete das Recht auf informationelle Selbstbestimmung her – grundsätzlich entscheidet jeder selbst, wer was über ihn weiß. Das Urteil ist die Grundlage des deutschen Datenschutzrechts und wirkte bis in die europäische Datenschutz-Grundverordnung hinein.

gilt BVerfG, Urteil vom 15. Dezember 1983 – 1 BvR 209/83

1990

Deutsche Einheit

Im Juli übernahm die DDR die D-Mark samt westlichem Wirtschafts- und Sozialrecht; Löhne und kleinere Sparguthaben wurden im Verhältnis eins zu eins umgetauscht. Der Zwei-plus-Vier-Vertrag klärte die Rechte der Siegermächte, am 3. Oktober trat die DDR dem Grundgesetz bei.

Der schnelle Umtauschkurs sicherte politische Zustimmung, machte die ostdeutsche Industrie aber über Nacht unwettbewerbsfähig. Die Folgen prägen die Wirtschaftsstruktur im Osten bis heute.

vollzogen Staatsvertrag Mai 1990, Einigungsvertrag und Zwei-plus-Vier-Vertrag 1990

1992

Vertrag von Maastricht

Deutschland gab die D-Mark auf und stimmte der gemeinsamen Währung zu – im Gegenzug für strenge Schuldenregeln und eine unabhängige Zentralbank nach Bundesbank-Vorbild. Der Euro kam 1999 als Buchgeld, 2002 als Bargeld.

geändert Vertrag über die Europäische Union 1992

Europa 1957 1992 2020

Geldwert 1957 1992 2010

1993

Asylkompromiss

Nach jahrelangem Streit und rassistischen Anschlägen wurde das Grundrecht auf Asyl im Grundgesetz eingeschränkt: Wer über einen sicheren Drittstaat einreist, kann sich nicht mehr darauf berufen. Die Zahl der Anträge sank stark.

Zwei-Drittel-Mehrheit nur mit Stimmen der SPD

gilt Art. 16a GG, 1993

Asylrecht 1993 2015 2025

1993 – 1995

Bahn- und Postreform

Bundesbahn und Reichsbahn wurden zur Deutschen Bahn AG verschmolzen, die Bundespost in drei Aktiengesellschaften zerlegt: Post, Postbank und Telekom. Der Bund übernahm Altschulden und Beamte, die Unternehmen sollten sich am Markt behaupten. Es war die größte Privatisierung der deutschen Geschichte.

Der Börsengang der Bahn kam nie zustande. Seither wird darüber gestritten, ob ein renditeorientierter Konzern das Schienennetz erhalten kann: Bis 2024 wurden rund 5.000 Kilometer Strecke stillgelegt, der Sanierungsstau wuchs auf einen zweistelligen Milliardenbetrag.

gilt Eisenbahnneuordnungsgesetz 1993, Postneuordnungsgesetz 1994

Infrastruktur 1994 2025 2026

1995

Pflegeversicherung

Als fünfte Säule der Sozialversicherung deckt sie einen Teil der Pflegekosten ab. Zur Gegenfinanzierung strichen die Länder den Buß- und Bettag als Feiertag – außer Sachsen, wo Beschäftigte stattdessen einen höheren Beitrag zahlen.

gilt Pflege-Versicherungsgesetz 1994, SGB XI

Bundestagswahl 1983 · Zweitstimmen

  • CDU/CSU48,8 %
  • FDP7,0 %

zusammen 55,8 %

Oktober 1982 – Oktober 1998 · 16 Jahre

CDU/CSU bei den Wahlen danach

  • 198744,3 %
  • 199043,8 %
  • 199441,5 %
  • 199835,1 %

Abgewählt. Kohl war der erste Kanzler, der direkt durch eine Wahl aus dem Amt ging.

1998 – 2005

Gerhard Schröder

SPDBündnis 90/Die Grünen erste rot-grüne Bundesregierung Zweitstimmen 1998

Erstmals regierten die Grünen im Bund. Die Regierung brach mit mehreren Grundsätzen – beim Militär, beim Sozialstaat und in der Energiepolitik.

1999

Kosovo-Einsatz

Die Bundeswehr beteiligte sich an Luftangriffen gegen Jugoslawien – der erste Kampfeinsatz deutscher Soldaten seit 1945, ohne Mandat des UN-Sicherheitsrats. Für SPD und Grüne, beide mit pazifistischen Wurzeln, war das ein tiefer Einschnitt.

vollzogen Bundestagsbeschluss vom 16. Oktober 1998

2000

EEG und Atomausstieg

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz garantierte Betreibern feste Vergütungen und vorrangige Einspeisung – Wind- und Solarstrom wurden damit planbar finanzierbar. Parallel vereinbarte die Regierung mit den Energiekonzernen das Ende der Kernenergie.

Bezahlt wurde die Vergütung über eine Umlage auf den Strompreis, die bis 2021 auf über sechs Cent je Kilowattstunde stieg – große Teile der energieintensiven Industrie waren davon befreit, Privathaushalte nicht. Das Fördermodell selbst wurde in vielen Ländern übernommen.

geändert Erneuerbare-Energien-Gesetz 2000, Atomkonsens 2000/2002

Kernenergie 2000 2011 2023

2003 – 2005

Agenda 2010 und Hartz IV

Arbeitslosen- und Sozialhilfe wurden zum Arbeitslosengeld II zusammengelegt, die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes verkürzt, Zumutbarkeits- und Sanktionsregeln verschärft, der Niedriglohnsektor ausgeweitet.

Die Beschäftigung stieg in den Folgejahren deutlich, ebenso die Zahl prekärer Jobs. Politisch kostete die Reform die SPD einen großen Teil ihrer Stammwähler und führte zur Gründung einer neuen Linkspartei. Sie blieb bis 2023 der umstrittenste Sozialbeschluss der Republik.

abgelöst Hartz-Gesetze I–IV, 2003–2005, SGB II

Grundsicherung 2003 2019 2023 2026

Bundestagswahl 1998 · Zweitstimmen

  • SPD40,9 %
  • Bündnis 90/Die Grünen6,7 %

zusammen 47,6 %

Oktober 1998 – November 2005 · 7 Jahre

SPD bei den Wahlen danach

  • 200238,5 %
  • 200534,2 %

Vertrauensfrage und vorgezogene Neuwahl, knapp verloren – 1,0 Punkte hinter der Union.

2005 – 2009

Angela Merkel I

CDU/CSUSPD zweite Große Koalition Zweitstimmen 2005

Vier Jahre, in denen zuerst der Sozialstaat umgebaut und dann das Finanzsystem gestützt wurde.

2007

Elterngeld

Statt einer Sozialleistung für Bedürftige gab es nun einen Lohnersatz von bis zu 67 Prozent für zwölf Monate, plus zwei zusätzliche Monate, wenn auch der zweite Elternteil pausiert. Der Anteil der Väter in Elternzeit stieg von wenigen Prozent auf rund ein Viertel – die meisten von ihnen nehmen allerdings nur die beiden Partnermonate.

gilt Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz 2006, ElterngeldPlus seit 2015

2007

Rente mit 67

Das Renteneintrittsalter steigt seit 2012 schrittweise von 65 auf 67 Jahre, vollständig erreicht wird das 2031. Begründet wurde der Schritt mit der steigenden Lebenserwartung und dem Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern.

gilt RV-Altersgrenzenanpassungsgesetz 2007

Rente 1957 2007 2014 2026

2008 – 2009

Finanzkrise

Nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers garantierte die Regierung öffentlich die privaten Spareinlagen, richtete einen Rettungsfonds für Banken ein und legte zwei Konjunkturpakete auf. Ausgeweitetes Kurzarbeitergeld hielt Beschäftigte in den Betrieben, der Arbeitsmarkt brach schwächer ein als in den meisten Nachbarländern. Bezahlt wurde das mit Schulden: Die Schuldenquote stieg binnen zwei Jahren von rund 65 auf über 80 Prozent der Wirtschaftsleistung.

ausgelaufen Finanzmarktstabilisierungsgesetz 2008, Konjunkturpakete I und II

2009

Schuldenbremse im Grundgesetz

Der Bund darf sich strukturell nur noch in Höhe von 0,35 Prozent der Wirtschaftsleistung verschulden, die Länder gar nicht. Ausnahmen sind bei Naturkatastrophen und außergewöhnlichen Notlagen möglich. Die Regel bestimmt seither jede Haushaltsdebatte.

Zwei-Drittel-Mehrheit von Union, SPD und Ländern

geändert Art. 109 und 115 GG, 2009; gelockert 2025

Schuldenbremse 2009 2020 2022 2023 2025

Bundestagswahl 2005 · Zweitstimmen

  • CDU/CSU35,2 %
  • SPD34,2 %

zusammen 69,4 %

November 2005 – Oktober 2009 · 4 Jahre

CDU/CSU bei den Wahlen danach

  • 200933,8 %

Wiedergewählt bei schwächerem Ergebnis; der Koalitionspartner wechselte von der SPD zur FDP.

2009 – 2013

Angela Merkel II

CDU/CSUFDP Zweitstimmen 2009

Zwei Krisen erzwangen zwei Kehrtwenden: in der Eurozone und bei der Kernenergie.

2010 – 2012

Euro-Rettung

Hilfskredite für Griechenland, Irland und Portugal, dann der dauerhafte Rettungsschirm ESM und der Fiskalpakt für strengere Haushaltsregeln. Deutschland setzte Sparauflagen als Gegenleistung durch. Die Eurozone blieb zusammen, das Verhältnis zu den südeuropäischen Partnern blieb belastet.

gilt EFSF 2010, ESM-Vertrag 2012, Fiskalpakt 2012

Geldwert 1957 1992 2010

2011

Aussetzung der Wehrpflicht

Seit dem 1. Juli 2011 wird nicht mehr einberufen; die Bundeswehr wurde zur Freiwilligenarmee. Mit der Wehrpflicht endete auch der Zivildienst – Pflegeheime und soziale Einrichtungen verloren rund 90.000 Kräfte pro Jahr. Im Grundgesetz steht die Wehrpflicht weiterhin, sie ruht nur.

ausgesetzt Wehrrechtsänderungsgesetz 2011; Art. 12a GG unverändert

Wehrdienst 1955 2011 2025

2011

Atomausstieg nach Fukushima

Wenige Monate nach der Reaktorkatastrophe in Japan gingen acht Kernkraftwerke sofort vom Netz, für die übrigen wurde die Abschaltung bis 2022 festgeschrieben. Damit kassierte die Regierung ihre eigene Laufzeitverlängerung vom Vorjahr wieder ein.

vollzogen 13. Novelle des Atomgesetzes 2011; letzte Abschaltung April 2023

Kernenergie 2000 2011 2023

Bundestagswahl 2009 · Zweitstimmen

  • CDU/CSU33,8 %
  • FDP14,6 %

zusammen 48,4 %

Oktober 2009 – Dezember 2013 · 4 Jahre

CDU/CSU bei den Wahlen danach

  • 201341,5 %

Bestes Unionsergebnis seit 1990. Die FDP scheiterte an der Fünf-Prozent-Hürde.

2013 – 2018

Angela Merkel III

CDU/CSUSPD Zweitstimmen 2013

Eine Wahlperiode mit einem alten sozialdemokratischen Projekt – und einer Entscheidung, die die Parteienlandschaft veränderte.

2014

Rente mit 63 und Mütterrente

Wer 45 Jahre Beiträge gezahlt hat, kann ohne Abschläge früher in Rente gehen; Erziehungszeiten für vor 1992 geborene Kinder wurden besser angerechnet. Beides kostet die Rentenkasse dauerhaft zweistellige Milliardenbeträge im Jahr.

gilt RV-Leistungsverbesserungsgesetz 2014

Rente 1957 2007 2014 2026

2015

Gesetzlicher Mindestlohn

Erstmals galt eine allgemeine Lohnuntergrenze, zunächst 8,50 Euro pro Stunde. Die befürchteten großen Beschäftigungsverluste traten nicht ein, im Niedriglohnsektor stiegen die Löhne spürbar. Zugleich stellt der Zoll bei Kontrollen regelmäßig Verstöße fest, vor allem dort, wo Arbeitszeit nicht dokumentiert wird. Über die Höhe entscheidet seither eine Kommission aus Arbeitgebern und Gewerkschaften.

gilt Mindestlohngesetz 2014, in Kraft 2015

2015 – 2016

Flucht und Asyl

Im Herbst 2015 nahm Deutschland Schutzsuchende auf, die in Ungarn festsaßen, und setzte die reguläre Zuständigkeitsprüfung faktisch aus. Über eine Million Menschen stellten Asylanträge. Es folgten die Asylpakete I und II mit schnelleren Verfahren, mehr sicheren Herkunftsstaaten und eingeschränktem Familiennachzug, dazu die EU-Türkei-Erklärung.

Getragen wurde die Aufnahme vor allem von Kommunen und Ehrenamtlichen; Behörden und Verfahren blieben über Jahre überlastet, Rückführungen scheiterten häufig. Politisch war der Kurs von Beginn an umstritten – 2017 zog die AfD als drittstärkste Kraft in den Bundestag ein. Migration ist seither das prägende Konfliktthema der deutschen Politik.

geändert Asylpakete I und II 2015/2016, EU-Türkei-Erklärung 2016

Asylrecht 1993 2015 2025

2017

Ehe für alle

Gleichgeschlechtliche Paare können heiraten, mit allen Rechten inklusive gemeinsamer Adoption. Die Kanzlerin gab die Abstimmung frei und stimmte selbst dagegen; die Mehrheit kam aus SPD, Grünen, Linken und einem Teil der Union zustande.

Beschlossen gegen die Mehrheit der größeren Koalitionspartei

gilt Eheöffnungsgesetz, Bundestagsbeschluss vom 30. Juni 2017

Gleiche Rechte 1969 2001 2017

Bundestagswahl 2013 · Zweitstimmen

  • CDU/CSU41,5 %
  • SPD25,7 %

zusammen 67,2 %

Dezember 2013 – März 2018 · 4 Jahre

CDU/CSU bei den Wahlen danach

  • 201732,9 %

Wiedergewählt mit dem bis dahin schwächsten Unionsergebnis der Nachkriegszeit; die AfD zog als drittstärkste Kraft ein.

2018 – 2021

Angela Merkel IV

CDU/CSUSPD nach der längsten Regierungsbildung der Bundesrepublik Zweitstimmen 2017

Klimapolitik bekam erstmals einen Preis und ein Gesetz – dann kam die Pandemie.

2019

Bundesverfassungsgericht

Sanktionen bei Hartz IV begrenzt

Leistungskürzungen von mehr als 30 Prozent des Regelsatzes sind verfassungswidrig – das Existenzminimum darf nicht beliebig unterschritten werden. Der Beschluss zog die Linie, an der sich seither jede Reform der Grundsicherung messen lassen muss.

gilt BVerfG, Urteil vom 5. November 2019 – 1 BvL 7/16

Grundsicherung 2003 2019 2023 2026

2020

Kohleausstieg bis 2038

Ein verbindlicher Abschaltpfad für Braun- und Steinkohlekraftwerke, begleitet von rund 40 Milliarden Euro Strukturhilfen für die Reviere. Die Höhe der Entschädigungen für die Betreiber war umstritten und musste beihilferechtlich von der EU-Kommission geprüft werden. Für einige Standorte wurde der Ausstieg später auf 2030 vorgezogen.

geändert Kohleverstromungsbeendigungsgesetz 2020; Rheinisches Revier auf 2030 vorgezogen

2020 – 2021

Corona-Pandemie

Kontaktbeschränkungen und Schließungen, dazu Wirtschaftshilfen und massiv ausgeweitete Kurzarbeit. Der Bundestag stellte eine außergewöhnliche Notlage fest und setzte die Schuldenbremse mehrere Jahre aus.

Auf europäischer Ebene stimmte Deutschland einem Wiederaufbaufonds von 750 Milliarden Euro zu, der erstmals in großem Stil über gemeinsame EU-Schulden finanziert wird – eine Abkehr von einer langjährigen deutschen Position.

ausgelaufen Novellen des Infektionsschutzgesetzes 2020/21, EU-Aufbauinstrument NextGenerationEU

Europa 1957 1992 2020

Schuldenbremse 2009 2020 2022 2023 2025

2021

Grundrente

Wer lange gearbeitet und wenig verdient hat, bekommt seither einen Zuschlag zur Rente – ohne Bedürftigkeitsprüfung, aber mit Einkommensprüfung. Rund 1,3 Millionen Menschen profitieren, überwiegend Frauen.

gilt Grundrentengesetz 2020, in Kraft 2021

2021

Bundesverfassungsgericht

Klimabeschluss

Das Klimaschutzgesetz war in Teilen verfassungswidrig, weil es die Minderungslasten nach 2030 kaum regelte und damit die Freiheit künftiger Generationen gefährdete. Die Regierung besserte binnen Monaten nach und zog das Ziel der Klimaneutralität auf 2045 vor.

gilt BVerfG, Beschluss vom 24. März 2021 – 1 BvR 2656/18 u. a.

Klimaschutz 2019 2021

Bundestagswahl 2017 · Zweitstimmen

  • CDU/CSU32,9 %
  • SPD20,5 %

zusammen 53,4 %

März 2018 – Dezember 2021 · 4 Jahre

CDU/CSU bei den Wahlen danach

  • 202124,1 %

Merkel trat nicht wieder an. 16 Jahre und 16 Tage im Amt – zehn Tage weniger als Kohl.

2021 – 2025

Olaf Scholz

SPDGrüneFDP „Ampel“, erste Dreierkoalition im Bund seit 1957 Zweitstimmen 2021

Drei Monate nach Amtsantritt begann der russische Angriff auf die Ukraine. Er bestimmte den Rest der Wahlperiode.

2022

Zeitenwende

Deutschland lieferte erstmals Waffen in ein Kriegsgebiet und verankerte ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr im Grundgesetz – außerhalb der Schuldenbremse. Damit endete eine jahrzehntelange Zurückhaltung in der Sicherheitspolitik.

Zwei-Drittel-Mehrheit nur mit Stimmen der Union

gilt Art. 87a Abs. 1a GG und Bundeswehr-Sondervermögensgesetz 2022

Schuldenbremse 2009 2020 2022 2023 2025

2022 – 2023

Energiekrise

Nach dem Ende der russischen Gaslieferungen entstanden binnen Monaten schwimmende LNG-Terminals, die Speicher wurden gefüllt, Gas- und Strompreisbremsen deckelten die Kosten für Haushalte und Betriebe. Die letzten drei Kernkraftwerke liefen im Streckbetrieb noch bis April 2023 und gingen dann endgültig vom Netz.

ausgelaufen LNG-Beschleunigungsgesetz 2022, Preisbremsengesetze 2022 (bis Ende 2023)

Kernenergie 2000 2011 2023

2023

Gebäudeenergiegesetz

Neu eingebaute Heizungen müssen überwiegend mit erneuerbarer Energie laufen, gekoppelt an den Zeitplan der kommunalen Wärmeplanung; Förderungen federn die Kosten ab. Der monatelange offene Streit über den Entwurf beschädigte das Vertrauen in die Koalition nachhaltig.

gilt Novelle des Gebäudeenergiegesetzes 2023, in Kraft 2024

2023

Wahlrechtsreform

Der Bundestag verkleinerte sich selbst: Überhang- und Ausgleichsmandate fielen weg, die Größe wurde auf 630 Sitze festgeschrieben. Ein Wahlkreissieg garantiert seither keinen Sitz mehr – entscheidend ist allein das Zweitstimmenergebnis der Partei.

Beschlossen wurde die Reform allein mit den Stimmen der Koalition. Gestrichen wurde auch die Grundmandatsklausel, was vor allem CSU und Linke getroffen hätte.

geändert Wahlrechtsreform 2023; 2024 in Teilen korrigiert

Wahlrecht 2023 2024

2023

Bundesverfassungsgericht

Haushaltsurteil

60 Milliarden Euro nicht gebrauchter Corona-Kredite in den Klima- und Transformationsfonds umzuwidmen, war verfassungswidrig. Über Nacht fehlte das Geld für zugesagte Förderungen. Die Koalition strich Programme zusammen und stritt fortan über jede Lücke im Haushalt – das Urteil gilt als Anfang vom Ende der Ampel.

gilt BVerfG, Urteil vom 15. November 2023 – 2 BvF 1/22

Schuldenbremse 2009 2020 2022 2023 2025

2024

Bundesverfassungsgericht

Wahlrecht in Teilen verfassungswidrig

Die Verkleinerung des Bundestags und den Wegfall der Überhangmandate bestätigte das Gericht. Die Grundmandatsklausel dagegen musste bleiben: Ohne sie wäre eine Partei mit starker regionaler Verankerung trotz mehrerer Direktmandate aus dem Parlament gefallen. Nach dieser Vorgabe wurde 2025 gewählt.

gilt BVerfG, Urteil vom 30. Juli 2024 – 2 BvF 1/23

Wahlrecht 2023 2024

2024

Drei gesellschaftspolitische Reformen

Besitz und Anbau von Cannabis wurden für Erwachsene in Grenzen erlaubt. Im Staatsangehörigkeitsrecht wurde Mehrstaatigkeit allgemein zugelassen und die Einbürgerung nach fünf Jahren möglich. Das Selbstbestimmungsgesetz ersetzte das Gerichtsverfahren zur Änderung des Geschlechtseintrags durch eine Erklärung beim Standesamt.

gilt Konsumcannabisgesetz, Reform des Staatsangehörigkeitsgesetzes, Selbstbestimmungsgesetz, alle 2024

Einbürgerung 2000 2024

Bundestagswahl 2021 · Zweitstimmen

  • SPD25,7 %
  • Grüne14,8 %
  • FDP11,5 %

zusammen 52,0 %

Dezember 2021 – Mai 2025 · 3 Jahre

SPD bei den Wahlen danach

  • 202516,4 %

Zustimmung in Umfragen

Höchstwert 73 Prozent im März 2022, kurz nach der Zeitenwende-Rede. Danach überwiegend fallend.

Abgewählt nach dem schwächsten SPD-Ergebnis in der Geschichte der Bundesrepublik.

seit Mai 2025

Friedrich Merz

CDU/CSUSPD laufende Wahlperiode Zweitstimmen 2025

Die Regierung begann mit der größten finanzpolitischen Weichenstellung seit der Einheit und einem Kurswechsel in der Migrationspolitik – und arbeitet sich seither durch die Sozialsysteme.

März 2025

Lockerung der Schuldenbremse

Noch vor dem Amtsantritt änderte der alte Bundestag das Grundgesetz: Verteidigungsausgaben oberhalb von einem Prozent der Wirtschaftsleistung zählen nicht mehr zur Schuldenbremse, dazu kommt ein kreditfinanziertes Sondervermögen von 500 Milliarden Euro über zwölf Jahre – 100 Milliarden davon für die Länder, 100 für den Klima- und Transformationsfonds. Auch die Länder dürfen sich nun begrenzt verschulden.

Beschlossen hat das der bereits abgewählte Bundestag, weil die neu gewählte Zusammensetzung die Zwei-Drittel-Mehrheit nicht mehr hergegeben hätte. Das Bundesverfassungsgericht wies Eilanträge dagegen ab, politisch war das Vorgehen heftig umstritten – ebenso wie die Frage, ob die Milliarden wie zugesagt zusätzlich fließen oder reguläre Investitionen im Haushalt ersetzen.

Zwei-Drittel-Mehrheit von Union, SPD und Grünen

gilt Änderung der Art. 109, 115 und 143h GG, März 2025

Infrastruktur 1994 2025 2026

Schuldenbremse 2009 2020 2022 2023 2025

Mai – Dez 2025

Migrationswende

Am zweiten Amtstag wies der Innenminister die Bundespolizei an, auch Asylsuchende an den Grenzen zurückzuweisen. Das Verwaltungsgericht Berlin erklärte das im Juni 2025 im Eilverfahren für europarechtswidrig; die Regierung wertete den Beschluss als Einzelfall und hielt an der Praxis fest. Seit Juli 2025 ist der Familiennachzug zu subsidiär Schutzberechtigten für zwei Jahre ausgesetzt, seit Dezember 2025 lassen sich sichere Herkunftsstaaten per Rechtsverordnung bestimmen.

Die Zahl der Asylanträge ging deutlich zurück: Im April 2026 wurden gut 6.100 Erstanträge gestellt, ein Drittel weniger als ein Jahr zuvor. Die Regierung führt das auf ihren Kurs zurück, Kritiker verweisen darauf, dass die Zahlen europaweit schon seit 2023 sinken.

Rechtlich weiter umstritten, mehrere Verfahren laufen

laufend Ministerweisung Mai 2025; Aussetzung des Familiennachzugs Juli 2025, befristet bis 2027

Asylrecht 1993 2015 2025

Juni 2025

Fünf Prozent für Verteidigung

Beim NATO-Gipfel in Den Haag verpflichteten sich alle Mitglieder, bis 2035 fünf Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für Sicherheit aufzuwenden – 3,5 Prozent für Streitkräfte, 1,5 Prozent für Infrastruktur und Cyberabwehr. Bisher galten zwei Prozent. Deutschland will die 3,5 Prozent schon 2029 erreichen und meldete für 2026 Verteidigungsausgaben von 124,7 Milliarden Euro, ein Viertel mehr als im Vorjahr.

laufend Gipfelerklärung von Den Haag, Juni 2025

Dez 2025

Wehrdienstreform

Der Wehrdienst wird wieder aufgebaut, zunächst auf freiwilliger Basis. Seit Januar 2026 erhalten alle 18-Jährigen einen Fragebogen zu Eignung und Bereitschaft; Männer müssen ihn beantworten, Frauen können es freiwillig tun.

laufend Wehrdienstmodernisierungsgesetz, Dezember 2025

Wehrdienst 1955 2011 2025

Jan 2026

Rentenpaket und Aktivrente

Das Rentenniveau wird per Haltelinie stabilisiert. Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat und sozialversicherungspflichtig weiterarbeitet, kann bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei hinzuverdienen. Im ersten Halbjahr 2026 nutzten das nach Regierungsangaben mehr als 10.000 Beschäftigte. Die Steuerausfälle gehen in den hohen dreistelligen Millionenbereich pro Jahr; Kritiker erwarten vor allem Mitnahmeeffekte bei Menschen, die ohnehin weitergearbeitet hätten.

gilt Rentenpaket 2025, in Kraft Januar 2026

Rente 1957 2007 2014 2026

Jan 2026

Entlastungen und höherer Mindestlohn

Zum Jahreswechsel sank die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie auf sieben Prozent, die Pendlerpauschale wurde angehoben, die Steuerbefreiung für Elektroautos bis 2030 verlängert. Auf Vorschlag der Mindestlohnkommission stieg der Mindestlohn auf 13,90 Euro und steigt 2027 auf 14,60 Euro – der größte Sprung seit seiner Einführung.

gilt Steueränderungsgesetz 2025; Mindestlohn auf Beschluss der Kommission vom Juni 2025

Juli 2026

Krankenkassen- und Infrastrukturreform

Bundestag und Bundesrat verabschiedeten eine Reform der gesetzlichen Krankenversicherung auf Grundlage der Vorschläge einer Finanzkommission. Zeitgleich beschlossen wurde das Infrastruktur-Zukunftsgesetz: Wichtige Vorhaben gelten als von „überragendem öffentlichem Interesse“ und werden in Planung und Genehmigung vorgezogen. Umwelt- und Naturschutzverbände kritisieren, dass dafür Beteiligungs- und Klagerechte verkürzt werden.

Angekündigt für Ende 2026: Renten-, Steuer- und Arbeitsmarktreform

gilt GKV-Reform und Infrastruktur-Zukunftsgesetz, Juli 2026

Infrastruktur 1994 2025 2026

Bundestagswahl 2025 · Zweitstimmen

  • CDU/CSU28,6 %
  • SPD16,4 %

zusammen 45,0 %

seit Mai 2025 · läuft

Zustimmung in Umfragen

Im Januar 2026 waren 43 Prozent mit seiner Arbeit zufrieden, im August 2026 noch 20 Prozent (Politbarometer, Unzufriedene: 75 Prozent). Andere Institute messen zwischen 13 und 26 Prozent Zustimmung.

Die nächste reguläre Bundestagswahl steht 2029 an.

Wie diese Zeitleiste zu lesen ist

Zur Auswahl

Welche Beschlüsse den größten Einfluss hatten, ist eine Einschätzung, keine Messung. Ausgewählt wurde hier nach drei Fragen: Wie viele Menschen betrifft die Entscheidung? Wie lange gilt sie? Und hat sie die Richtung des Landes verändert?

Beschlüsse sind beschrieben, nicht bewertet. Wo eine Entscheidung bis heute umstritten ist, steht das dabei. Manche Regierungen erscheinen mit mehr Einträgen als andere – das hängt von der Länge der Amtszeit ab und davon, wie viel eine Regierung durchsetzen konnte, nicht von einer Wertung.

Nicht jeder wichtige Beschluss stammt allein von der Koalition. Grundgesetzänderungen brauchen eine Zwei-Drittel-Mehrheit, manche Abstimmungen wurden freigegeben. Solche Fälle sind mit einer Zeile unter dem Eintrag gekennzeichnet.

Fäden

Manche Entscheidungen halten, andere nur bis zum nächsten Machtwechsel. Wo eine spätere Regierung einen Beschluss wieder angefasst hat, verbindet eine Fadenzeile die Stationen – vom Atomkonsens 2000 über den Ausstieg 2011 bis zur endgültigen Abschaltung 2023, oder von Hartz IV über das Bürgergeld zur Grundsicherung. Die Jahreszahlen sind anklickbar; man kann den Faden in beide Richtungen entlanggehen.

Karlsruhe

Regierungen bestimmen den Kurs nicht allein. Fünf Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts stehen in der Zeitleiste zwischen den Beschlüssen, weil sie den Kurs korrigiert haben – von der Fristenlösung 1975 bis zum Haushaltsurteil 2023. Sie sind an der gestrichelten Kante zu erkennen und stammen nicht von der jeweiligen Regierung, sondern richten sich gegen sie.

Die Prozentzahlen

Die Streifenbreiten oben sind keine Dekoration: Sie entsprechen den Zweitstimmenanteilen der Koalitionsparteien zueinander, bei der Wahl, mit der die jeweilige Regierung ins Amt kam oder bestätigt wurde. Deshalb ist der FDP-Anteil unter Brandt hauchdünn und die GroKo von 2005 fast exakt geteilt. Die genauen Werte stehen im Kopf jeder Regierung und erscheinen beim Überfahren eines Farbabschnitts. 1949 gab es nur eine Stimme statt Erst- und Zweitstimme.

Nicht abgebildet ist die Sitzverteilung: Durch Überhangmandate und die Fünf-Prozent-Hürde weicht sie von den Stimmenanteilen ab. 1949 kam die Koalition mit 46,9 Prozent der Stimmen ins Amt, 2025 mit 44,9 Prozent – beides Mehrheiten an Sitzen, keine an Stimmen.

Status

Unter jedem Eintrag steht, was aus dem Beschluss geworden ist. Ein gefüllter Punkt heißt: Die Regel ist heute noch in Kraft.

Gilt – im Wesentlichen unverändert in Kraft. Geändert – in Kraft, aber seither wesentlich umgebaut. Abgelöst – durch eine spätere Regelung ersetzt. Aufgehoben – zurückgenommen. Ausgelaufen – von vornherein befristet oder gegenstandslos geworden. Vollzogen – einmaliger Akt, der nicht fortgilt, sondern gewirkt hat. Ausgesetzt – im Gesetz stehengeblieben, aber nicht angewandt. Laufend – noch nicht abgeschlossen oder gerichtlich offen.

Von 68 Einträgen gelten 34 unverändert und 13 in geänderter Form. Zurückgenommen oder abgelöst wurden sieben.

Zustimmung

Hinter jedem Kanzlernamen liegt seine Bilanz: Amtszeit, die Wahlergebnisse seiner Partei während der Amtszeit und die Art, wie das Amt endete. Das ist bewusst kein Beliebtheitsranking.

Vergleichbare Umfragen zur Kanzlerzufriedenheit gibt es erst seit den späten Siebzigern, und schon die heutigen Institute messen unterschiedlich: Forsa fragt nach Zufriedenheit, das Politbarometer nach gut oder schlecht gemachter Arbeit. Aus solchen Werten einen Durchschnitt über 77 Jahre zu bilden, wäre eine Scheingenauigkeit. Umfragewerte stehen deshalb nur dort, wo sie belastbar und aktuell sind – bei Scholz und Merz.

Zustimmung und Wirkung fallen ohnehin auseinander. Erhard war populär und regierte drei Jahre. Kohl lag Mitte der Neunziger dauerhaft im Minus und hat die Einheit und den Euro zu verantworten. Schmidt galt als kompetentester Kanzler seiner Zeit und stürzte über die eigene Partei. Wer gemocht wurde, sagt wenig darüber, was blieb – und genau das steht in den Einträgen darunter.

Belege

Unter jedem Eintrag steht das Gesetz, der Vertrag oder das Urteil, auf das er sich stützt – bei Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts mit Datum und Aktenzeichen. Bewusst ohne Direktlinks: Deep Links auf Gesetzestexte veralten schneller als die Texte selbst.

Nachschlagen lässt sich alles über vier Stellen: gesetze-im-internet.de für geltendes Bundesrecht, recht.bund.de für das Bundesgesetzblatt seit 1949, dip.bundestag.de für Gesetzgebungsverfahren samt Abstimmungen und bundesverfassungsgericht.de für die Urteile im Volltext. Die Stimmenanteile stammen von der Bundeswahlleiterin.

Was fehlt

Die DDR. Diese Zeitleiste zeigt die Bundesrepublik. Zwischen 1949 und 1990 gab es einen zweiten deutschen Staat mit eigenen Regierungen und eigenen Beschlüssen, der hier nur dort auftaucht, wo Bonn mit ihm verhandelte. Das ist eine Setzung, keine Wertung – für die DDR gibt es eine eigene Zeitleiste.

Ebenfalls nicht abgebildet: die Länder und der Bundesrat, ohne dessen Zustimmung viele der hier genannten Gesetze nicht zustande gekommen wären. Und die Vorhaben, die scheiterten – von der Pkw-Maut bis zur Kindergrundsicherung. Wer regiert, entscheidet auch, was nicht passiert.

Stand: September 2026. Die laufende Wahlperiode ist naturgemäß unvollständig – bei aktuellen Vorhaben lohnt der Blick in die Quellen von Bundestag und Bundesregierung.