Regierungschefs 1949–2026 · maßstäblich

Regierendeim Verlauf

Links die Bundeskanzler der Bundesrepublik, rechts die Regierungschefs der DDR – die Höhe jedes Eintrags entspricht der Amtsdauer, vierzehn Jahre Adenauer sind hier vierzehnmal so hoch wie ein Jahr. Die rechte Spalte macht dabei einen Unterschied sichtbar: Regierungschef und Machthaber waren in der DDR nicht dieselbe Person.

Bundesrepublik DeutschlandBundeskanzler, seit 1949

Jahr

Deutsche Demokratische RepublikRegierungschefs, 1949–1990

BundesrepublikBundeskanzler seit 1949

Porträt von Konrad Adenauer
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15.9.1949 – 16.10.1963 · 14 Jahre

CDU mit FDP, DP, später auch BHE und CSU-Flügeln

Adenauer band die junge Republik nach Westen: Montanunion 1951, NATO-Beitritt 1955, Römische Verträge 1957. Innenpolitisch fiel in seine Zeit die dynamische Rente von 1957, die Renten an die Löhne koppelte.

Er regierte stark auf sich zugeschnitten – der Begriff „Kanzlerdemokratie“ stammt aus diesen Jahren. Umstritten blieb, wie viele Belastete aus der NS-Zeit in Verwaltung und Justiz weiterarbeiten konnten.

Nach der Spiegel-Affäre 1962 musste er der FDP seinen Rücktritt für 1963 zusagen Kabinette →
Porträt von Ludwig Erhard
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16.10.1963 – 1.12.1966 · 3 Jahre

CDU mit FDP

Als Wirtschaftsminister galt er als Gesicht des Wiederaufbaus; als Kanzler fand er keine eigene Mehrheit im Apparat der eigenen Partei. 1966 brach die erste Rezession der Nachkriegszeit ein, im Haushalt fehlten mehrere Milliarden.

Die FDP verließ die Koalition, weil sie Steuererhöhungen ablehnte – Rücktritt Kabinette →
Porträt von Kurt Georg Kiesinger
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1.12.1966 – 21.10.1969 · 2 Jahre 11 Monate

CDU erste Große Koalition, mit SPD

Die Koalition verfügte über rund 90 Prozent der Mandate und nutzte das: Stabilitätsgesetz 1967, Konjunkturprogramme, 1968 die Notstandsgesetze. Die Wirtschaft erholte sich.

Gegen die fehlende parlamentarische Opposition formierte sich die außerparlamentarische. Kiesingers frühere NSDAP-Mitgliedschaft war während der gesamten Amtszeit Thema.

Abgelöst durch die sozialliberale Koalition nach der Wahl 1969 Kabinette →
Porträt von Willy Brandt
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21.10.1969 – 7.5.1974 · 4 Jahre 7 Monate

SPD mit FDP

Erster Kanzler der SPD. Die neue Ostpolitik brachte die Verträge mit Moskau und Warschau 1970, den Grundlagenvertrag mit der DDR 1972 und 1971 den Friedensnobelpreis. Der Kniefall in Warschau war nicht abgesprochen.

Innenpolitisch: Bildungsexpansion, Wahlalter 18, Reform des Betriebsverfassungsrechts. Die Ostverträge kosteten ihn Abgeordnete, ein Misstrauensvotum 1972 scheiterte knapp.

Rücktritt, nachdem sein Referent Günter Guillaume als DDR-Spion enttarnt wurde

Neun Tage lang, vom 7. bis 16. Mai 1974, führte Vizekanzler Walter Scheel (FDP) die Regierung geschäftsführend. Er zählt nicht als Bundeskanzler.

Kabinette →
Porträt von Helmut Schmidt
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16.5.1974 – 1.10.1982 · 8 Jahre 4 Monate

SPD mit FDP

Regierte im Krisenmodus: zweite Ölkrise, steigende Arbeitslosigkeit, der Terror der RAF. Im „Deutschen Herbst“ 1977 entschied er gegen einen Austausch der Gefangenen; Hanns Martin Schleyer wurde ermordet.

Der NATO-Doppelbeschluss von 1979 ging auf seine Initiative zurück und spaltete seine eigene Partei – die Friedensbewegung wandte sich gegen ihn.

Gestürzt durch das bislang einzige erfolgreiche konstruktive Misstrauensvotum Kabinette →
Porträt von Helmut Kohl
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1.10.1982 – 27.10.1998 · 16 Jahre

CDU mit FDP

Längste Amtszeit der Bundesrepublik. Auf den Mauerfall reagierte er binnen drei Wochen mit dem Zehn-Punkte-Plan; die Währungsunion kam zum 1. Juli 1990, die Einheit am 3. Oktober. Maastricht 1992 legte den Euro fest.

Der Aufbau Ost wurde weitgehend über Schulden und Sozialbeiträge finanziert. Die Arbeitslosigkeit erreichte 1997 den bis dahin höchsten Nachkriegsstand.

Abgewählt 1998; die Parteispendenaffäre wurde erst danach bekannt Kabinette →
Porträt von Gerhard Schröder
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27.10.1998 – 22.11.2005 · 7 Jahre 1 Monat

SPD erste rot-grüne Koalition, mit Bündnis 90/Die Grünen

Unter ihm nahm die Bundeswehr im Kosovo 1999 erstmals an einem Kampfeinsatz teil. Es folgten der ausgehandelte Atomausstieg, das EEG 2000 und ein neues Staatsangehörigkeitsrecht.

Die Agenda 2010 und die Hartz-Gesetze verkürzten den Bezug von Arbeitslosengeld und legten Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammen. Die SPD verlor darüber Mitglieder, Landtagswahlen und schließlich die Mehrheit.

Gestellte Vertrauensfrage 2005, vorgezogene Neuwahl, knappe Niederlage Kabinette →
Porträt von Angela Merkel
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22.11.2005 – 8.12.2021 · 16 Jahre

CDU drei Große Koalitionen, dazwischen 2009–2013 mit der FDP

Erste Kanzlerin, aufgewachsen in der DDR. Ihre Amtszeit blieb 10 Tage kürzer als die Kohls. Sie fällt zusammen mit der Finanzkrise 2008, der Eurokrise, dem beschleunigten Atomausstieg nach Fukushima 2011, der Fluchtbewegung 2015 und der Pandemie.

Ihr Regierungsstil – spät festlegen, Positionen der Gegenseite übernehmen – sicherte Mehrheiten und ließ die Union inhaltlich unbestimmt. Rechts von ihr entstand ab 2013 die AfD.

Trat 2021 nicht erneut an Kabinette →
Porträt von Olaf Scholz
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8.12.2021 – 6.5.2025 · 3 Jahre 5 Monate

SPD Ampel, mit Grünen und FDP

Drei Tage nach dem russischen Angriff auf die Ukraine erklärte er die „Zeitenwende“ und ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr. Die Gasversorgung wurde binnen Monaten umgestellt, zu hohen Kosten.

Innenpolitisch: Mindestlohn 12 Euro, Bürgergeld, Deutschlandticket. Der Streit über Haushalt und Schuldenbremse zog sich durch die gesamte Legislatur.

Koalitionsbruch im November 2024, verlorene Vertrauensfrage, Neuwahl im Februar 2025 Kabinette →
Porträt von Friedrich Merz
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seit 6.5.2025 · läuft

CDU mit SPD

Verfehlte im ersten Wahlgang die Kanzlermehrheit – das war zuvor noch keinem Kandidaten passiert. Gewählt wurde er am selben Tag im zweiten Wahlgang.

Noch vor Amtsantritt beschloss der bereits abgewählte Bundestag die Ausnahme der Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse und ein Sondervermögen Infrastruktur. Seither: Aktivrente, Grundsicherung statt Bürgergeld seit Juli 2026.

Im Amt Kabinette →

DDRRegierungschefs 1949–1990

Porträt von Otto Grotewohl
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12.10.1949 – 21.9.1964 · 14 Jahre 11 Monate

SED Ministerpräsident

Parteispitze Walter Ulbricht

Vor 1946 Vorsitzender der SPD in der sowjetischen Zone, danach – nach der erzwungenen Vereinigung mit der KPD – einer der beiden SED-Vorsitzenden. Als Regierungschef blieb er hinter Ulbricht zurück, der die Partei und damit den Staat führte.

In seine Amtszeit fallen der Aufstand vom 17. Juni 1953 und der Mauerbau 1961. Beide Entscheidungen wurden nicht im Ministerrat getroffen.

Ab 1960 schwer krank, starb im Amt
Porträt von Willi Stoph
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21.9.1964 – 3.10.1973 · 9 Jahre

SED Vorsitzender des Ministerrates

Parteispitze Ulbrichtab 1971 Honecker

Unter ihm lief das Neue Ökonomische System, der einzige ernsthafte Versuch, Betrieben eigene Kennziffern und Gewinnverantwortung zu geben. Ab 1970 wurde er zurückgenommen.

1970 traf er Willy Brandt in Erfurt und Kassel – das erste Treffen zweier deutscher Regierungschefs.

Wechselte 1973 an die Spitze des Staatsrates
Porträt von Horst Sindermann
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3.10.1973 – 29.10.1976 · 3 Jahre

SED Vorsitzender des Ministerrates

Parteispitze Erich Honecker

Setzte Honeckers „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ um: Wohnungsbauprogramm, subventionierte Grundpreise, ausgebaute Kinderbetreuung. Finanziert wurde das zunehmend über Kredite aus dem Westen.

Abgelöst, als Honecker die Ämter neu verteilte
Porträt von Willi Stoph
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29.10.1976 – 13.11.1989 · 13 Jahre · zweite Amtszeit

SED Vorsitzender des Ministerrates

Parteispitze Honeckerab Okt. 1989 Egon Krenz

Die Zahlungsbilanz verschlechterte sich über die Jahre so weit, dass 1983 und 1984 nur die von Franz Josef Strauß vermittelten Milliardenkredite die Zahlungsunfähigkeit abwendeten.

Am 7. November 1989 trat der gesamte Ministerrat zurück – vier Tage, nachdem eine Million Menschen auf dem Alexanderplatz demonstriert hatten, zwei Tage vor der Maueröffnung.

Rücktritt der gesamten Regierung; später verhaftet, Verfahren aus Gesundheitsgründen eingestellt
Porträt von Hans Modrow
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13.11.1989 – 12.4.1990 · 5 Monate

SED, ab Dez. 1989 SED-PDS Vorsitzender des Ministerrates

Übergangsregierung ohne Wahl. Am Zentralen Runden Tisch verhandelten Regierung und Opposition ab Dezember gemeinsam; die Staatssicherheit wurde aufgelöst, freie Wahlen wurden auf den 18. März 1990 vorgezogen.

Sein Konzept einer „Vertragsgemeinschaft“ zweier Staaten war überholt, bevor darüber verhandelt werden konnte.

Abgelöst durch die erste frei gewählte Volkskammer
Porträt von Lothar de Maizière
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12.4.1990 – 2.10.1990 · 5 Monate 3 Wochen

CDU (Ost) Ministerpräsident · große Koalition mit SPD, DA, DSU, Liberalen

Einziger frei gewählter Regierungschef der DDR. Seine Regierung verhandelte die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion zum 1. Juli 1990 und den Einigungsvertrag vom 31. August.

Der Umstellungskurs – Löhne und kleine Sparguthaben eins zu eins – war politisch gewollt und wirtschaftlich riskant: Die Betriebe verloren über Nacht ihre Preisvorteile.

Amt endete mit dem Staat am 3. Oktober 1990

Wie diese Zeitleiste zu lesen ist

Der Maßstab

Jedes Vierteljahr entspricht einer Zeile, 312 insgesamt – von Anfang 1949 bis Ende 2026. Jeder Eintrag ist genau so hoch wie die Amtszeit lang war. Deshalb wirkt Adenauers Amtszeit lang und Erhards kurz, und deshalb enden alle Einträge der rechten Spalte auf gleicher Höhe: am 3. Oktober 1990.

Eine Einschränkung. Wo der Text höher ist als die Amtszeit, wächst die Zeile mit. Bei Modrow und de Maizière – fünf beziehungsweise sechs Monate – ist der Kasten deutlich größer, als der Maßstab hergäbe. Die Reihenfolge stimmt, die Proportion ist dort gedehnt.

Wer den Kurs bestimmte

Einen „Bundeskanzler der DDR“ gab es nicht: Das Amt hieß bis 1954 Ministerpräsident, danach Vorsitzender des Ministerrates. Wichtiger als der Titel ist, dass sein Inhaber nicht der Mächtigste im Staat war. Die Richtung gab die SED vor, konkret ihr Erster Sekretär beziehungsweise Generalsekretär. Deshalb steht in jedem Eintrag rechts, wer zur jeweiligen Zeit an der Parteispitze stand:
Walter Ulbricht, 1950–1971
Erich Honecker, 1971 bis zum 18. Oktober 1989
Egon Krenz, 18. Oktober bis 3. Dezember 1989

Der Mauerbau 1961, die Ausbürgerung Wolf Biermanns 1976, die Milliardenkredite 1983 – nichts davon war eine Entscheidung des Ministerrates. Die einzige Ausnahme in dieser Spalte ist die letzte: Lothar de Maizière regierte auf Grundlage einer freien Wahl.

Was fehlt

Die Staatsoberhäupter – Bundespräsidenten hier, Staatsratsvorsitzende dort – fehlen in dieser Übersicht. Ebenso die Vizekanzler, obwohl mehrere von ihnen die Politik stärker geprägt haben als manche Kanzler.

Walter Scheel taucht als Notiz bei Brandt auf, nicht als eigener Eintrag: Er führte die Regierung neun Tage lang geschäftsführend, war aber nie zum Bundeskanzler gewählt.

Die einzelnen Beschlüsse behandeln die beiden anderen Zeitleisten dieser Seite – eine für die Bundesrepublik seit 1949, eine für die DDR.

Stand: September 2026.